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4 Flimmernde Präsenz – Musik Pavillon für Neue Musik
Stefan Rutzinger

Mobiler Pavillon für Neue Musik

Visueller und akustischer Filter. Der Hörraum kennt keine Perspektive, wir hören von rundum. Daher ist der Pavillon kein gerichteter Aufführungsraum, sondern ein Experimentarium, das flexible Positionen von Musikern und Zuhörern und eine variable Bespielung - von Klanginstallationen bis zu szenischen Aufführungen - ermöglicht. Er ist keine Begrenzung sondern ein Filter durch den der Aussenraum visuell und akustisch miteinbezogen werden kann. Musiker können ihn von außen bespielen, Passanten können durch den Filter spähen und in die Aufführungen hineinhören. Je nach Blickwinkel und Abstand erscheint die Struktur offen oder geschlossen, eröffnet oder verbirgt Einblicke in das Innere.

Flimmernde Präsenz

Die Akustik-Elemente sind im Winkel verstellbar und ermöglichen so eine tatsächliche Transformation der optischen und akustischen Eigenschaften. Der visuelle Eindruck findet seine Entsprechung im Hörerlebnis. Die Struktur hat keine fixe Form, sondern eine flimmernde, weil nicht fassbare Präsenz, die sich ständig wandelt - gleich den Klängen, die aus ihr strömen.

Struktur und Ausdruck. Das Experimentarium wurde anhand zwei der Architektur und Musik zugrunde liegenden Themen parametrisch entwickelt: Struktur und Ausdruck. Es reflektiert das Spiel zwischen Regel und Variation, Ordnung und Abweichung. Ein gleichbleibendes Akustik-Element wird einer einfachen Regel folgend (gleicher Winkel) auf einer Trägerfläche im Raster angeordnet. Durch Verformung der Fläche in der z-Achse mittels zufälliger Zahlenreihen und Veränderung der Parameter (Winkel und Anzahl der Achsen) erzeugt diese simple Ordnung eine Bandbreite an räumlichen Mustern mit teils unerwarteten Ergebnissen und scheinbarer - weil nicht mehr durchschaubarer - (Un)ordnung.

Ohr und Sprachrohr. Der Musikpavillon für Neue Musik ist keine Form, die man betritt, sondern ein flimmerndes Volumen, in das man eintaucht. Er spielt mit der Ambiguität von Regelmäßigkeit und Variation, geschlossen und offen, Eintauchen und Ausstrahlen, introvertiertem Hörerlebnis und extrovertiertem Auftreten. Er ist Ohr und Sprachrohr für Neue Musik in einem.

Struktur

Das Tragwerk des Pavillons ist als Gitterschale konzipiert, dessen Stäbe (Aluminiumrundrohre) im Grundriss gerade und zueinander orthogonal verlaufen. Daraus resultiert, dass die Rohre trotz der räumlich frei geformten Gitterschale nur einachsig gekrümmt sind. In den Kreuzungspunkten sind die Rohre fest miteinander verschraubt. An den Längsrohren der Gitterschale sind in einem konstantem Winkel von 30° Dorne angebracht, welche als Drehachsen für die beweglichen Akustikelemente (Reflektor- bzw. Absorberelemente) dienen. Die beweglichen Elemente sind aus einem gekantetem Aluminium U-Profil. An den Innenseiten können entsprechend den Anforderungen akustisch aktive Materialien eingelegt werden. Über die Diagonale der Gitterschale sind die beweglichen Elemente mit durchlaufenden Zugseilen verbunden. Diese Reihen werden von Elektro-Servos vom Rand der Gitterschale aus synchron angesteuert um den gewünschten Anstellwinkel der Akustikelemente einzustellen.

Akustik. Die Elemente werden reflektierend bzw. absorbierend ausgeführt. Eine selektive Anordnung der Schallabsorber in fokusierenden Oberflächenbereichen (möglichst weit vom Publikum entfernt) ermöglicht eine in alle Richtung gute Schallabstrahlung. Durch die Verstellbarkeit der Absorber ist eine Wandelakustik möglich. (In Zusammenarbeit mit DI Bernd K. Quiring, Konsulent für Akustik)