Mobiler Pavillon für Neue Musik
Visueller und akustischer Filter. Der Hörraum kennt keine
Perspektive, wir hören von rundum. Daher ist der Pavillon
kein gerichteter Aufführungsraum, sondern ein Experimentarium,
das flexible Positionen von Musikern und Zuhörern und
eine variable Bespielung - von Klanginstallationen bis
zu szenischen Aufführungen - ermöglicht. Er ist keine
Begrenzung sondern ein Filter durch den der Aussenraum
visuell und akustisch miteinbezogen werden kann. Musiker
können ihn von außen bespielen, Passanten können durch
den Filter spähen und in die Aufführungen hineinhören.
Je nach Blickwinkel und Abstand erscheint die Struktur
offen oder geschlossen, eröffnet oder verbirgt Einblicke
in das Innere.
Flimmernde Präsenz
Die Akustik-Elemente sind im Winkel verstellbar und ermöglichen
so eine tatsächliche Transformation der optischen und
akustischen Eigenschaften. Der visuelle Eindruck findet
seine Entsprechung im Hörerlebnis. Die Struktur hat keine
fixe Form, sondern eine flimmernde, weil nicht fassbare
Präsenz, die sich ständig wandelt - gleich den Klängen,
die aus ihr strömen.
Struktur und Ausdruck. Das Experimentarium wurde anhand
zwei der Architektur und Musik zugrunde liegenden Themen
parametrisch entwickelt: Struktur und Ausdruck. Es reflektiert
das Spiel zwischen Regel und Variation, Ordnung und Abweichung.
Ein gleichbleibendes Akustik-Element wird einer einfachen
Regel folgend (gleicher Winkel) auf einer Trägerfläche
im Raster angeordnet. Durch Verformung der Fläche in der
z-Achse mittels zufälliger Zahlenreihen und Veränderung
der Parameter (Winkel und Anzahl der Achsen) erzeugt diese
simple Ordnung eine Bandbreite an räumlichen Mustern mit
teils unerwarteten Ergebnissen und scheinbarer - weil
nicht mehr durchschaubarer - (Un)ordnung.
Ohr und Sprachrohr. Der Musikpavillon für Neue Musik ist
keine Form, die man betritt, sondern ein flimmerndes Volumen,
in das man eintaucht. Er spielt mit der Ambiguität von
Regelmäßigkeit und Variation, geschlossen und offen, Eintauchen
und Ausstrahlen, introvertiertem Hörerlebnis und extrovertiertem
Auftreten. Er ist Ohr und Sprachrohr für Neue Musik in
einem.
Struktur
Das Tragwerk des Pavillons ist als Gitterschale konzipiert,
dessen Stäbe (Aluminiumrundrohre) im Grundriss gerade
und zueinander orthogonal verlaufen. Daraus resultiert,
dass die Rohre trotz der räumlich frei geformten Gitterschale
nur einachsig gekrümmt sind. In den Kreuzungspunkten sind
die Rohre fest miteinander verschraubt. An den Längsrohren
der Gitterschale sind in einem konstantem Winkel von 30°
Dorne angebracht, welche als Drehachsen für die beweglichen
Akustikelemente (Reflektor- bzw. Absorberelemente) dienen.
Die beweglichen Elemente sind aus einem gekantetem Aluminium
U-Profil. An den Innenseiten können entsprechend den Anforderungen
akustisch aktive Materialien eingelegt werden. Über die
Diagonale der Gitterschale sind die beweglichen Elemente
mit durchlaufenden Zugseilen verbunden. Diese Reihen werden
von Elektro-Servos vom Rand der Gitterschale aus synchron
angesteuert um den gewünschten Anstellwinkel der Akustikelemente
einzustellen.
Akustik. Die Elemente werden reflektierend bzw. absorbierend
ausgeführt. Eine selektive Anordnung der Schallabsorber
in fokusierenden Oberflächenbereichen (möglichst weit
vom Publikum entfernt) ermöglicht eine in alle Richtung
gute Schallabstrahlung. Durch die Verstellbarkeit der
Absorber ist eine Wandelakustik möglich. (In Zusammenarbeit
mit DI Bernd K. Quiring, Konsulent für Akustik) |
 

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