Der biennale, vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur ausgeschriebene Förderungspreis für experimentelle Tendenzen in der Architektur soll architektonisch anspruchsvolle, inhaltlich wagemutige und disziplinär vorausschauende Positionen aufspüren

Jury
Zur Beurteilung der eingereichten Arbeiten hat folgende Jury am 25. November 2008 entschieden:
Ernst J. Fuchs, the next ENTERprise-architects, Wien
Franz Sam, architekten: sam/ott-reinisch, Wien (statt Henrietta Moravčíková, Bratislava)
Bernhard Sommer (Preisträger 2006), exikon – architektur und entwicklung, Wien

Preise
Der Hauptpreis ist mit 5.500,-- Euro dotiert, dazu gehört ein dreimonatiger Studienaufenthalt im Ausland, gefördert mit 1.500,-- Euro pro Monat, sowie den Reisekosten zum Ort des Studienaufenthalts.
Für drei Anerkennungspreise stehen je 2.000,-- Euro zur Verfügung.



Hauptpreis:

20 RPM RevolutionsPerMinute
Andrea Kessler

Jury-Statement:
Mit der Installation RPM realisiert Andrea Kessler, modellhaft-fragmentarisch, ein interaktives Konzept einer dynamischen Architektur, bei der die Kommunikation zwischen Mensch und Architektur thematisiert wird. Der zwischen zwei Ebenen beschriebene Raum entzieht sich als Modell zwar direkter, reaktiver Manipulation. Sein Verhalten ist aber hinreichend lesbar und wirkt attraktiv genug, um die BetrachterInnen soweit zu involvieren, dass sie in eine Kommunikation mit dem Objekt eintreten.
Das Experiment glückt durch seine ästhetischen Qualitäten, die hier vor allem in den Transformationen und im interaktiven Verhalten selbst zu finden sind.
Es ist ein Beitrag, der neueste technologische Entwicklungen berücksichtigt und sie als gesellschaftliche Vision voraussetzt. Die der Installation RPM zugrundeliegende Vision thematisiert eine Gesellschaft, die ihre räumliche Umwelt in einem kontinuierlichen Transformationsprozess permanent neu verhandelt.
Andrea Kessler realisiert nicht nur das Fragment dieser Vision, sondern ihre Arbeit weist, eingebettet in einen internationalen Diskurs, Qualitäten auf, die eine Weiterbearbeitung in unterschiedlichsten Aspekten rechtfertigen. Sie soll mit der Vergabe des Hauptpreises unterstützt und motiviert werden diesen, in Österreich noch wenig begangenen Weg, mit Verve weiterzuverfolgen.
 


Anerkennung:
59 Fluc & Fluc_Wanne
Klaus Stattmann


Jury-Statement:

Das Projekt überzeugt, indem es die Vielschichtigkeit seiner Ausgangsparameter, ein öffentlicher Stadtraum und seine Nutzer, als Potential aktiviert. In einer partizipatorischen Verfahrensweise wird von Klaus Stattmann ein Projekt-/Bauprozess in Gang gesetzt, der in sensibler Weise einen brachliegenden Stadtkörper – die stillgelegte Straßenunterführung – als Baugrund nützt und zu einem identitätsstiftenden Element für städtisches Leben erklärt. Von Innen heraus, wird durch scheinbar beiläufige Ein- und Anbauten eine wuchernde Bauplastik erzeugt, die den Stadtraum Praterstern programmatisch in eine Wechselwirkung aus Verkehrsraum und Projektraum versetzt. Der Projektverfasser thematisiert damit die gesellschaftspolitische Bedeutung von öffentlichen Stadträumen als sich permanent wandelnde Räume im Stadtgefüge. Dem Verfasser gelingt es in einer überzeugenden Weise diese Wandelbarkeit als Stadtentwicklungsqualität aufzugreifen und zu verräumlichen.
 

Anerkennung:
52 Hotel Montreux in Paris
Verena Rauch

Jury-Statement:
Mit dem Projekt "Hotel Montreux in Paris" startet Verena Rauch einen empirischen Entwurfsprozess, bei dem die Raumbildung erst durch das Ineinandergreifen der einzelnen Prozessfragmente wie Zeichnungen, Modellen und 1:1 Modellversuchen manifestiert wird.
Das Hotel als zeichnerische Phantasie. In ein haptisch und emotional generiertes funktionales Raumaggregat fügt Verena Rauch reale wie surreale Aspekte zu einer bewohnbaren, organisch beeinflussten Plastik. Innen- wie Außenraumszenarien wechseln sich gleichwertig ab. Diese Raumfolge wird durch textile Materialität und ihre Verarbeitungsprozesse noch gesteigert und unterstützt den betont räumlichen Anspruch der Projektverfasserin. Der Beitrag zeichnet sich durch eine gelungene, emotional aufgeladene, graphische Darstellung aus, mit einer besonderen poetischen Qualität.
 


Anerkennung:
4 Flimmernde Präsenz – Musik Pavillon für Neue Musik
Stefan Rutzinger
Jury-Statement:
In diesem Projektbeitrag thematisiert und untersucht Stefan Rutzinger eine durch das Medium Musik ausgelöste, veränderbare Raumformation. Ein durchlässiger Raumfilter der ein Innen und Außen nicht vorgibt, sondern diese räumliche Zäsur der jeweiligen Aufführungsart/Musik überlässt.
Das Projekt entwickelt ein räumlich-experimentell begründetes, veränderbares Umfeld, das auf mögliche und nicht absehbare Hörerlebnisse der darzubietenden Musik reagiert und gleichzeitig als physisch veränderter Raum erlebbar ist. Die Struktur besteht aus zwei raumbildenden Elementen – der räumlich entwickelten Gitterschale und den variabel steuerbaren Akustikelementen. Diese Elemente bilden den dreidimensionalen Klang-/Raumfilter, der durch die fließende Veränderbarkeit in subtiler Weise eine kreative-emotionale Wechselwirkung zwischen Personen, Raum und Musik anstiftet.
 

 


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