Voilà
Ich wünsche mir Raum als erfahrbares, fühlbares Etwas.
Ausgehend von meinen sehr intensiven Träumen, der Vergesslichkeit
der geträumten Realität und einer Sehnsucht nach Orten,
die mich bewegen, beschäftige ich mich mit der Geschichte
des Beat Hotels in Paris. In unterschiedlichen Prozessen,
Transformationen und Medienwechseln entstehen genähte,
gegossene, geschnürte Modelle und Skizzen. Mit diesem
räumlichen und funktionalen Konglomerat entwerfe ich mein
Hotel, das HÔTEL MONTREUX, ein Mikrokosmos für temporäre
Charaktere.
Ein Ort zum Sein, zum Schlafen
und in Ruhe Träumen.
Prozesse - Techniken
Themen beim Modellbauen und Zeichnen sind Körper, Hülle,
Haut, Knochen und Fleisch. Ich nähe, schnüre, stülpe,
hänge, giesse und schnitze aus Verborgenem, webe Geheimnisvolles
ein, abgenähte Objekte werden zu räumlichen Konstrukten
zusammengeschnürt. Fäden bilden ein räumliches Netz, das
Motiv des Verhüllens, Einkleidens, Umhüllens und Verwebens
des Raumes ist wichtig. Die Materialien, die ich bearbeite
sind Latex, Stoff, Filz, Wachs, Knochen und Fleisch -
es entstehen schwere Volumina und softe Körper. Das Ausgangsmaterial
ist meist flächig und wird über Nähen und Verschnüren
zu einem räumlichen Konstrukt oder Objekt, das differenzierte
Oberflächen und haptischen Eigenschaften besitzt. Ausgegossene
Wachskörper deuten auf den Abdruck eines Raumes hin, Nähte
zeigen den vorausgegangenen Schnitt und verbinden Fragmente.
Den Objekten und Raumteilen geht ein Prozess des Bearbeitens
und des Behandelns vor, eine spannende und intensive Auseinandersetzung
mit den Materialien ist meine Intention. Durch die verschiedenen
Methoden des Faltens, Schichtens, Stülpens, Nähens, Verwebens
nähere ich mich meinem Raum.
Methoden
NÄHEN: stoff- und membranähnliche Einzelsegemente - meist
durch unterschiedliche Dicken, Oberflächen und Eigenschaften
in ihren Flächen differenziert und strukturiert - werden
von Hand oder mit der Maschine miteinander vernäht.
HÄNGEN: räumliche Anordnung der harten und der weichen
Fragmente - an Fäden abgehängt bewegen sie sich leicht
und frei.
WEBEN: Fäden bilden Netze, verknoten sich teilweise, bilden
über das Lineare ein räumliches Konstrukt.
GIESSEN: Eigenschaften der zeitweise flüssigen Materialien
Wachs und Gips und ihren Prozess des Aushärtens verwenden,
um Zustände einzufrieren und dem Weichen das Harte gegenüber
zu stellen.
SCHNÜREN: harte Wachskörper, geschnitzt, geschliffen,
werden mit Fäden verschnürt - ergeben Formationen.
REISSEN: eingegossene weiche Elemente werden aus der härtenden
Masse gerissen, hinterlassen Abdrücke - weicher Raum wird
dem Harten entrissen.
Hotel Môntreux à Paris
RAUMIMZIMMER: Eine temporäre Installation als Raumpullover,
Raumkleid oder Schlafkleid: Ich habe mir meinen eigenen
Raum genäht und abgehängt, einen Raum, in dem ich mich
wohlfühle, einen Raum, mit dem ich mich dem Fett nähern
kann. Das Netz aus Fäden erzeugt Motive des Umhüllens,
Einkleidens und Verhüllens. Gedanken zur Rauminstallation
gehen von Träumen/Alpträumen, die einen einhüllen, zum
Schlaf, in den Schlaf-Sinken, das Fremde im Hotel, in
fremden Betten schlafen. Die Kühle der Fliesen, das alte
Fett, das die Wände runterrinnt, die Wände und Böden,
die kleben, die verlassene Situation lösen Emotionen aus.
Raum geht einem nahe und kommt einem nahe.
Hotel Môntreux à Paris
Das Hotel steht als Synonym für Rastlosigkeit, Veränderung,
für flackernde Unruhe, Ziel-und Sinn-Suche, ein Ort für
beziehungsreiche Anonymitäten, Ausgangspunkt für Expeditionen,
Fluchtpunkt und idealisiertes Ziel derer, die auf dem
Weg sind. Ein Ort zum Sein, Fühlen und Leben, zum Schlafen
und in Ruhe Träumen. Ein Mikrokosmos für mehr oder weniger
temporäre Bewohner, eine Raststätte für Individuen. Das
Hotel hat eine Seele, einen Charakter und Willen. Nicht
besonders stabil, eher launisch, melancholisch, spontan,
pathetisch, vielleicht ein bisschen vergesslich und unruhig
wirkt es - liebt das Provisorische, Unkontrollierbare,
Zufällige und freut sich über skurrile Gäste, die es in
absurde, groteske Situationen bringen kann. Die Wirklichkeit,
denkt sich das Hotel, kann draussen bleiben und das Phantastische,
Wunderbare, Unerwartete darf zu Gast sein. Das kleine
Hotel im Quartier Latin im 6ème Arrondissement in Paris
besitzt eine eigene geheimnisvolle Welt, es wird im Keller
von Vergangenheit und Erinnerung bewohnt. Verspannungen,
Verzerrungen, Verwebungen und Verwicklungen bilden ein
System von Räumen - die Gäste verdichten das Konglomerat
zu einem kompakten lebendigen Konstrukt. Tag-Nacht-Verwechsler
sind meine Hotelgäste - Tagträumer, Schlafwandler, Wunderland-Suchende,
Stille-Findende, Sehnsüchtige, verkrachte Existenzen,
Grübler, Vagabunden finden ihr Zimmer im Hotel. Kein fester
Ort - nirgends. Weite und Tiefe des Raumes verschieben
sich, die Übergänge sind fliessend, die Wahrnehmung richtet
sich nach innen, fremd und unerwartet, spannend erlebt
der Gast die Hotelräume. Die Übergänge, Schwellenbereiche
von Nacht zu Tag, von Unterbewusstsein zu Bewusstsein,
vom Traum zum Aufwachen, erlebt der Mensch an diesem Ort.
Alles dringt nach Innen, kaum etwas nach Aussen. |
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