Anerkennungen _

59 Fluc&Fluc_Wanne
52 Hotel Môntreux à Paris
40 Flimmernde Präsenz – Musik Pavillon für Neue Musik


 

59 Fluc & Fluc_Wanne, Transformation einer Fußgängerunterführung in ein Veranstaltungslokal mit variablen Nutzungen, Wien 2003-2007
Architektur: Klaus Stattmann
AuftraggeberInnen/transformative BenutzerInnen: Fluc_Bock & Wagner OEG
„Statt meine Experimente traditionsgemäß
steril in geordnete Versuchsreihen, Kategorien
und Schubladen zu zwängen, verwende ich sie
wie Passstücke für Unbekanntes, bei denen
die wichtigsten Unbekannten die BenutzerInnen
sind. Allerdings sehe ich mich in der Rolle des
Bunsenbrenners, der die Betriebstemperatur in
die Höhe treibt und die Suppe zum Kochen bringt.“

Auf der Großbaustelle für den neuen Bahnhof am Wiener Praterstern wurde im Frühling 2006 ein
L-förmiges Containerensemble über dem Abgang einer Fußgängerunterführung gruppiert – der Beginn des Fluc & Fluc_Wanne.

Nachdem der legendäre Musik- und Kunstclub Fluc_1, der sich ursprünglich temporär in den alten Bahnhof eingenistet hatte, den Abrissarbeiten weichen musste, entwickelten Architekt und Fluc BetreiberInnen gemeinsam das Konzept, die nahe gelegene Fußgängerunterführung inklusive einer ehemaligen öffentlicher WC-Anlage als dreidimensionalen Baugrund zu verwenden. Von der Stadt Wien als Eigentümerin wird die Umnutzung der Unterführung, für die eigentlich die Stilllegung vorgesehen war, unterstützt.


In der ersten Bauphase liefert der Tunnel unter dem fünfspurigen Verkehrsring als improvisierte Werkstätte laufend neue Bauteile für den Weiterbau an seinen beiden Auslässen, bevor er selbst zur unterirdischen Veranstaltungsstätte, der so genannten Fluc_Wanne, mutiert.
Parallel zur scheinbaren Beiläufigkeit der ersten Containeragglomeration beim Eingangsbauteil sind Blickbezüge und akustische Differenzierungen beim Fluc_2 subtil choreographiert. Präzise gesetzte Einschnitte ermöglichen den Logenblick aufs Riesenrad, bringen aber auch die Leuchtanzeigen der Züge vom Bahnsteig bis an die Bar. Innen und Außen verschneiden sich vielfach, nicht zuletzt dadurch, dass Elemente der öffentlichen Straßenbeleuchtung wie Baumbestand behandelt und in die Gebäudetopografie integriert werden, wo sie parasitär als Lichtquellen genutzt werden. Unregelmäßige Ausnehmung und Erweiterungen in den Containerdecken sowie am Plafond der Unterführung sorgen für verbesserte akustische und belichtete Raumqualitäten.


Die BetreiberInnen verstehen das Fluc, dessen Name sich von "fluctuated rooms" ableitet, von Anfang an als Projektraum. Geschicktes Recycling von Abbruchsbauteilen und eine ausgefeilte Kultur des Gaffa-Bandes schaffen einen Zustand des permanenten Umbaus. Breite Netzwerke von SympathisantInnen sorgen für einen andauernden Fluss an verwertbaren Materialien. Ihre Form zeigt sich im „sozialen Detail“, im situativen Arrangement und in einer geteilten atmosphärischen Kompetenz.
Außen zeigen sich die Raumerweiterungen, von denen die Containermodule besiedelt werden, als „unordentlich“ wirkende skulpturale Fragmente. Sie räkeln sich in alle Richtungen, ohne ersichtliche örtliche Bezüge, schauen sich zwar ähnlich, beziehen sich aber „lieber nicht“ auf ihre Umgebung oder wechselseitig aufeinander.

Die bewusst arrangierte Unaufgeräumtheit, temporalisiert die Anordnung der Teile und vermittelt sich als Momentaufnahme eines Lagerungsprozesses, als lose Koppelung und Möglichkeitsform, die permanent darauf hinweist, dass es auch anders sein könnte.
Auf der architektonischen und urbanistischen Ebene wird das Fluc zum materialisierten Beweis, dass Partizipation nicht durch pseudoneutrale Behälter angeregt wird, sondern durch ästhetische und strukturelle Differenziertheit, sofern sie sich als kontingente Aufführung von räumlichen Zusammenhängen zu erkennen gibt, in dem das Leben fließen kann, von Innenraum der ehemaligen Fußgängerunterführung zum Außenraum des Pratersterns zum Innenraum des Musikklubs.


Architektur / Bewerber: Klaus Stattmann / Büro für Architektur u. Forschung
Venediger Au 6, 1020 Wien
0699 1925 1568
k.stattmann@splus.at
AuftraggeberInnen und transformative BenutzerInnen:
Fluc_Bock & Wagner OEG (Martin Wagner, Sabine Bock, Joachim Bock)
Operationale Begleitung des Projektes: Jutta Kleedorfer
Holzbau: Franz Ritzer & Friends
Containerbau: CHV Container
Statik Fluc: Christian Aste
Statik Fluc_Wanne: Werkraum Wien / Peter Bauer
Innenausbau: Fluc_Bock & Wagner OEG mit Comunity