„Statt
meine Experimente traditionsgemäß
steril in geordnete Versuchsreihen, Kategorien
und Schubladen zu zwängen, verwende ich sie
wie Passstücke für Unbekanntes, bei denen
die wichtigsten Unbekannten die BenutzerInnen
sind. Allerdings sehe ich mich in der Rolle des
Bunsenbrenners, der die Betriebstemperatur in
die Höhe treibt und die Suppe zum Kochen bringt.“
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Auf der Großbaustelle für den neuen Bahnhof am Wiener
Praterstern wurde im Frühling 2006 ein
L-förmiges Containerensemble über dem Abgang einer Fußgängerunterführung
gruppiert – der Beginn des Fluc & Fluc_Wanne.
Nachdem der legendäre Musik- und Kunstclub Fluc_1, der
sich ursprünglich temporär in den alten Bahnhof eingenistet
hatte, den Abrissarbeiten weichen musste, entwickelten
Architekt und Fluc BetreiberInnen gemeinsam das Konzept,
die nahe gelegene Fußgängerunterführung inklusive einer
ehemaligen öffentlicher WC-Anlage als dreidimensionalen
Baugrund zu verwenden. Von der Stadt Wien als Eigentümerin
wird die Umnutzung der Unterführung, für die eigentlich
die Stilllegung vorgesehen war, unterstützt.
In der ersten Bauphase liefert der Tunnel unter dem fünfspurigen
Verkehrsring als improvisierte Werkstätte laufend neue
Bauteile für den Weiterbau an seinen beiden Auslässen,
bevor er selbst zur unterirdischen Veranstaltungsstätte,
der so genannten Fluc_Wanne, mutiert.
Parallel zur scheinbaren Beiläufigkeit der ersten Containeragglomeration
beim Eingangsbauteil sind Blickbezüge und akustische Differenzierungen
beim Fluc_2 subtil choreographiert. Präzise gesetzte Einschnitte
ermöglichen den Logenblick aufs Riesenrad, bringen aber
auch die Leuchtanzeigen der Züge vom Bahnsteig bis an
die Bar. Innen und Außen verschneiden sich vielfach, nicht
zuletzt dadurch, dass Elemente der öffentlichen Straßenbeleuchtung
wie Baumbestand behandelt und in die Gebäudetopografie
integriert werden, wo sie parasitär als Lichtquellen genutzt
werden. Unregelmäßige Ausnehmung und Erweiterungen in
den Containerdecken sowie am Plafond der Unterführung
sorgen für verbesserte akustische und belichtete Raumqualitäten.
Die BetreiberInnen verstehen das Fluc, dessen Name sich
von "fluctuated rooms" ableitet, von Anfang
an als Projektraum. Geschicktes Recycling von Abbruchsbauteilen
und eine ausgefeilte Kultur des Gaffa-Bandes schaffen
einen Zustand des permanenten Umbaus. Breite Netzwerke
von SympathisantInnen sorgen für einen andauernden Fluss
an verwertbaren Materialien. Ihre Form zeigt sich im „sozialen
Detail“, im situativen Arrangement und in einer geteilten
atmosphärischen Kompetenz.
Außen zeigen sich die Raumerweiterungen, von denen die
Containermodule besiedelt werden, als „unordentlich“ wirkende
skulpturale Fragmente. Sie räkeln sich in alle Richtungen,
ohne ersichtliche örtliche Bezüge, schauen sich zwar ähnlich,
beziehen sich aber „lieber nicht“ auf ihre Umgebung oder
wechselseitig aufeinander.
Die bewusst arrangierte Unaufgeräumtheit, temporalisiert
die Anordnung der Teile und vermittelt sich als Momentaufnahme
eines Lagerungsprozesses, als lose Koppelung und Möglichkeitsform,
die permanent darauf hinweist, dass es auch anders sein
könnte.
Auf der architektonischen und urbanistischen Ebene wird
das Fluc zum materialisierten Beweis, dass Partizipation
nicht durch pseudoneutrale Behälter angeregt wird, sondern
durch ästhetische und strukturelle Differenziertheit,
sofern sie sich als kontingente Aufführung von räumlichen
Zusammenhängen zu erkennen gibt, in dem das Leben fließen
kann, von Innenraum der ehemaligen Fußgängerunterführung
zum Außenraum des Pratersterns zum Innenraum des Musikklubs.
Architektur / Bewerber: Klaus Stattmann / Büro für Architektur
u. Forschung
Venediger Au 6, 1020 Wien
0699 1925 1568
k.stattmann@splus.at
AuftraggeberInnen und transformative BenutzerInnen:
Fluc_Bock & Wagner OEG (Martin Wagner, Sabine Bock,
Joachim Bock)
Operationale Begleitung des Projektes: Jutta Kleedorfer
Holzbau: Franz Ritzer & Friends
Containerbau: CHV Container
Statik Fluc: Christian Aste
Statik Fluc_Wanne: Werkraum Wien / Peter Bauer
Innenausbau: Fluc_Bock & Wagner OEG mit Comunity
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